jueves, 21 de julio de 2011

THE WIVES OF FRANK FARIAN-BRIGITTE


Frank (38) mit Ehefrau Brigitte (35) und Sohn Frank (13) vor dem Spielkasino von Monte Carlo

Wenn zwei sich scheiden, gibt es Ärger genug. Richtig schlimm wird es oft erst, wenn ausgebuffte Scheidungsanwälte auf den Plan treten. Der Fall Farian.

Der ganz normale Scheide-Weg eines Ehepaars, so lehren Millionen Rosenkriege, ist vorgezeichnet. Er wird gesäumt von Tränen, Wut und Haß. Wenn die einstige Liebe erkaltet ist, weicht die Seelenpein schnell dem Trieb, das Schlachtfeld der Gefühle mit der größtmöglichen Beute zu verlassen.

An dieser Stelle kommen Anwälte ins Spiel – der richtige Krieg beginnt.

Für das Ehepaar Brigitte, 48, und Franz Reuther, 51, aus dem saarländischen St. Ingbert lief der Trennungsweg nach 25 Ehejahren den gleichen Gang.

Ihr Scheidungskrieg mit Prolog, drei Akten und Epilog dauerte eineinhalb Jahre. Die ehemaligen Kombattanten sind inzwischen wieder Freunde geworden. Der Kampf gegen ihre Anwälte aber läuft noch immer.

Das große Geld: Bei Reuther, der unter dem Namen Frank Farian zum erfolgreichsten deutschen Hitproduzenten der 70er und 80er Jahre wurde, als Sänger, Komponist und Vater von Retorten-Bands wie Boney M. reüssierte, war eine Menge zu holen.

Reuther hatte es vom Koch und Diskothekeninhaber zu 500 goldenen Schallplatten gebracht, ist Inhaber eines Schnellboots, diverser Immobilien und einer Luxusfinca auf Ibiza.

Getrennt hatte sich das Paar bereits lange vor der Scheidung. Sechs Jahre lang lebten Frau und beide Kinder allein im Saarland, Frank Farian ging mit Freundin Millie auf Erfolgstour. 1991 moserte Brigitte plötzlich über zu niedrige monatliche Schecks. Frank reichte die Scheidung ein. Die Produzenten-gattin bezifferte den Streitwert bona fide auf eine Million Mark, auf 2,5 Millionen setzte ihn das Amtsgericht an.

Daß eine lukrative Verteilungsschlacht ins Haus stand, dämmerte den gerufenen Advokaten schnell. Sie gingen zu viert ans Werk und sahen nur noch eines: BRAGO, BRAGO, BRAGO.

Die Bundesgebührenordnung für Rechtsanwälte (BRAGO) macht es möglich, daß „vermögende Paare nicht zu Armenrechtsgebühren geschieden werden“, begründet der Münchner Advokat Hermann Messmer die Attraktivität von Promi-Scheidungen.

Kollege Gerd Birkwald, bekannter juristischer Nothelfer diverser Nackt-Starlets, stand schließlich in der Gunst von Brigitte Farian. Daß noch ein zweiter Anwalt am Ort des Gerichts in St. Ingbert als Mittler tätig werden mußte, sei kostenmäßig gar nicht relevant, versicherte Birkwald der Klientin.

Farian bot im Gegenzug ebenfalls zwei Anwälte auf, einen Frankfurter Staranwalt und einen am Gerichtsort „zum Stempeln der Papiere“.

Die eigentliche Scheidung im Juli ´92 war eher Routine. Der Fight um den Zugewinn – trotz Gütertrennung – war für die Advokaten das wahre Buffet. Tunlichst hielten sie ihre Klienten voneinander fern. Farian: „Ich habe X Briefe geschrieben – umsonst.“

Die einst zurückhaltende Gattin ließ sich trefflich vermarkten. „Brigitte will 50 Millionen“, meldeten fasziniert die Gazetten. In der Hitze des Gefechts beschimpfte der Hit-Tüftler den Juristen Birkwald als „Vollidioten“. 2500 Mark Geldbuße zahlte er „gerne“.

Weil die Streitkosten stiegen, eine kluge Richterin Brigitte Farian vor einem ruinösen Dauerstreit warnte und letzterer dämmerte, daß Awälte auch im Gebühreninteresse handeln, feuerte sie Birkwald.

Ihre neue Anwältin, Bernadette Lechner-Konderla, bewegte die Streitparteien zum gemeinsamen Deal. Vor einem Notar einigte sich das Ex-Ehepaar im Februar ´94 auf Frieden und Zahlungen. Mit 10 000 Mark pro Monat bis ans Lebensende, einem Haus in Alpennähe im Wert von einer Million sah Brigitte ihrer Ehre genüge getan.

Nicht aber die Anwälte. Die nämlich fühlten sich beim finalen Happy-End um ihren Teil vom Kuchen gebracht.

Im Frühjahr ´94 beantragten die zwei am Gerichtssitz tätigen Anwälte des Paares, den Streitwert des Verfahrens von 2,5 Millionen Mark auf 12,5 Millionen zu erhöhen. Potentieller Anwalts-anteil: 165 000 Mark pro Mandant. Brigitte Farian war schon nach fast 90 000 Mark Anwaltskosten aus dem ersten Scheidungsverfahren verschuldet. Farian: „Den Anwälten ging es nur ums Abschlachten ihrer Mandanten.“ Das Ehepaar verbündete sich gemeinsam mit Anwältin Lechner-Konderla und Anwalt Nummer sechs auf Farians Seite zur Solidargemeinschaft gegen die vermeintlichen Raffkes im Talar. Das Oberlandesgericht Saarbrücken gab ihnen im Juni 1994 recht: Die Streitwert-Beschwerde der Ex-Anwälte sei „unbegrün-det“, das von der Presse kolportierte Vermögen über 100 Millionen Mark Unfug.

Teure Erfahrung: Knapp 85 000 Mark für Gerichts- und Anwaltsrechnungen kostete Farian der Rosenkrieg, um die 140 000 Mark zahlte seine Ex-Frau.

Farian ermutigte seine Verflossene inzwischen, gegen Promi-Anwalt Birkwald wegen überhöhter Gebühren und falscher Beratung vorzugehen. Er selbst liegt noch im Clinch mit seinem Frankfurter Anwalt, der bei ihm Kosten um 50 000 Mark eingetrieben hatte und vergaß, die Hälfte seinem St. Ingberter Kollegen abzugeben.

Die Promi-Posse um Recht und Raffgier endete immerhin für die Farians harmonisch: Im letzten Sommerurlaub im August lagen Farian, Tochter Nicole, Sohn Peter, Ex-Frau Brigitte, Freundin Millie gemeinsam am Pool der Farian-Finca auf der Happy-Insel Ibiza, schliefen unter einem Dach – Brigitte im Gästegemach, Millie im Anbau.

FOCUS MAGAZINE nr 41-1994

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