sábado, 1 de mayo de 2010

FRANK FARIAN: BONEY M.-DAS BIN ICH


Er macht sich was vor wenn er sagt: “Meine Stimme kennt die ganze Welt”, und meint, sein “Traum”, ein großer Star zu sein, habe sich eigentlich damit “erfüllt”, Denn Frank Farian hat als Sänger sein Gesicht verloren, als er sich unter dem Pseudonym Boney M. zu Gehör brachte. Nun will er es wiederfinden, will singend auch in Erscheinung treten und so der eigenen identität Weltruhm verschaffen.

Seine Anonymität war die Konsequenz der Idee, mehrstimmig zu singen.
1975 entdeckte Frank Farian an sich ein Talent für Gesangakrobatik. Mühelos konnte er seine Stimme schwarz “einfärben”, oder “wie ein Eunuch” erklingen lassen.
Mit vielen Mädchen und ein bißchen Mann aus einer Kehle glückte Frank Farian ein Höhenerlebnis im Disco-Sound. Zum geschwärzten einzelnen Baß klang sein vervielfältigtes Falsett als Chor aus der Rille: “Baby Do You Wanna Bump”.

In jenen Tagen strahlte das ZDF eine australische Fernsehserie aus, dessen Held Boney hieß. Der Name gefiel Frank Farian. Well er jedoch meinte, Boney allein sei zu wenig, erfand er das M. Es bedeutet nichts, könnte aber für Musik stehen. “Baby Do You Wanna Bump” wurde ein Hit. Nachdem ein Jahr lang pro Woche rund 500 Platten umgesetzt worden waren, kam das Fernsehen und Frank Farian in die Verlegenheit, eine Gruppe zu präsentieren, die es gar nicht gab.

Die Lösung des Problems sah so aus, wie “Baby Do You Wanna Bump” klang: schwarz und sexy-Vier Mädchen und ein Mann, die Frank Farian eigentlich nur “wie Puppen” tanzen lassen wollte. Aber dann bewegten sie doch nicht nur die Glieder zum Rhythmus der Musik, sondern auch den Mund zum Text. Wer hätte nicht geschworen zu hören, was er sah: eine Gruppe namens Boney M. nämlich.

Mit den zwei Worten “man nehme” hatte der gelernte Koch Frank Farian zum Ohren den passenden Augenschmaus gezaubert.

Er selbst, sagt er, sei zumindest letzteres nie gewesen.

Als Sänger tränentriefender Schnulzen wie “Dana My Love” und “Rocky” habe er “die Blicke des Publikums nicht eben angesaugt”. Er sei “zu schmächtig” und habe einen “viel zu schrägen Kopt”, um “einen Typ abzugeben, von dem die Mädchen träumen”.

Seine Schnulzenscheiben indes enthielten stets alle Zutaten, mit denen man hierzulande Schlagerkost dem Publikum schmackhaft macht. Und einmal gelang es ihm auch, den großen Appetit zu wecken: Die Scheibe “Rocky” fand reißenden Absatz.

Damals, 1974, habe er den Geschmack am Singen schon fast verloren. Er war zehn Jahre getingelt und nahe daran, in der Provinz zu verkommen.
Begonnen hatte er seine Show-Karriere mit Pauken und Trompeten und was man sonst noch so braucht, um professionell Musik zu machen.

Zunächst aber blieb das ganze Instrumentarium stumm. Denn Frank Farian, derzeit noch Franz Wolter, hatte all das Blech ja eben erst erstanden und noch nicht die Musiker, die es zum Klingen bringen konnten.

Wäre er nicht Koch gewesen, so hätte er sich das Geld für die Instrumente sicherlich vom Munde abgespart. So aber arbeitete er bei freier Kost und Logis sechs Saison-Monate im Jahr in einem Ferienhotel in Luxemburg für zwei und legte jeden Plenning beiseite, den er entbehren konnte. Nach vier Jahren hatte er 8000 Mark zusammen.

Weitere 8000 Mark zahlte er dem Musikalienhändler in Raten. Dieser Raten wegen tat er vorerst noch beides singen und kochen Tagsüber stand er am Herd, abends auf der Bühne sofern die Band “Frank Farian und die Schatten” ein Engagement hatte. Nur am Wochenende gehörte er ganz der Musik, weil sein Herd nämlich in der Küche eines Kaufhausrestaurants stanD.

Was da aus seinen Töpfen und Pfannen den Gästen zum leiblichen Wohl gereicht wurde, reichte er ersmal den Serviererinnen. Eine hieß Brigitte. Der schaute er dabei immer tief in die Augen. Als seine Ehefrau begleitete sie ihn auf allen seinen Tourneen und kasierte den Eintritt, wenn er in Cloppenburg, Meppen, Quakenbrück oder sonstwo einen Saal gemietet hatte, in dem dann seine Mutter das Bier ausschenkte.

Längst ist Brigitte Farian allein Hausfrau. Das Haus, in dem sie selbst kocht und putzt, steht in Saarbrücken und hat den Vater ihres 10 jährigen Sohnes 160 000 DM gekostet.

Dort ist der 36 jährige Produzent von Boney M., Gilla und Eruption, der täglich 16 Stunden arbeitet un mit sechs Stunden Schlaf auskommt, viel zu selten, aber immer, wenn er komponiert, dann kann man ihn pfeiten hören. Ein Tonband nimmt die Töne auf, die ein Arrangeur später zu Papier bringt.

Frank Farian kann nämlich keine Noten lesen, uns “weil das bißchen Gezupte auf der Gitarre nicht zähit”, auch kein Instrument spielen. Darüber ist er sogar noch froh: “Wenn ich was von Harmonielehre verstünde, könnte ich vielleicht eine Sinfonie komponieren, aber bestimmt keinen Hit mehr machen: “Daß er Millionär ist, gibt er zu. Daß er trotzdem bescheiden geblieben ist, muß er nicht beteuern.

Obwohl er mit Boney M. bewiesen hat, daß er die Wirkung schönen Scheins zu nutzen weiß, bietet er sich dem Auge des Betrachters farbios dar tagtäglich in Jeans und brauner Lederjacke, mit einem Grauschleier auf den Wangen und dunklen Ringen unter den Augen, eher linkisch als locker. Er will sein, nicht scheinen. Warum auch sollte er sich mit Lack bestreichen? Die meiste Zeit verbringt er ohnehin in der Dunkelheit der Schallplattenstudios und da ist er, hört man, als Chef von 12 Musikern und sieben Technikern der beste Kollege den es eben geben kann, mit einem Hang zum Perfektionismus, der am meisten ihn selbst nervt.

Er mischt und mischt und mischt und mischt. So geschehen für die neue Boney M.-LP “night Flight To Venus”. Er brauchte fast acht Monate für die Produktion und verbrauchte 220.000 DM. Vor dem Mikrophon standen außer ihm Liz Mitchell und Maizie Williams, die er als Austauschmädchen kurz nach dem TV-Debüt zu “Baby Do You Wanna Bump” engagierte.

Seitdem ist Boney M. nur noch ein halber Schwindel.
Denn Liz und Maizie können nicht nur singen, sie tun es auch. Marcia Barrett und Bobby Farrell aber können nicht. Für sie tut´s Frank Farian. Dennoch bekommen sie für jede verkaufte Platte genausoviel wie die anderen. In Deutschland sind es vier Pfennige pro Single. So dürfen Marcia und Bobby wohl die teuersten Statisten sein, die es je gab. Aber ohne sie, meint Frank Farian, wäre Boney M. nicht denkbar.”Boney M.”, sagt er, “das sind Maizie, Liz, Marcia und Bobby.” Er hat einen vergessen. Sich selbst.

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